Niederdollendorf

Weinlagen: Heisterberg

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Niederdollendorf ist ein Ortsteil von Königswinter und liegt gegenüber von Bad Godesberg auf der rechten Rheinseite. Dollendorf wurde urkundlich erstmals im Jahre 966 als Dullendorp erwähnt, 1144 wurde erstmals zwischen Oberdollendorf und Niederdollendorf unterschieden. Bei Niederdollendorf befand sich einst die 1275 erstmals erwähnte Longenburg. Im 16. Jahrhundert wurde die Longenburg zu einer mit Rundtürmen versehenen Renaissanceanlage umgestaltet. 1968 wurde die Burg abgerissen und mußte einem Gewerbegebiet weichen. Am Niederdollendorfer Rheinufer befindet sich einer von acht noch erhaltenen Myriametersteinen. Diese Vermessungsmarken wurden Ende des 19. Jahrhunderts zur Vermessung des Rheinstromes errichtet. Im Jahre 2002 wurde der Niederdollendorfer Heisterberg neu bestockt. Hiermit wurde eine seit mehreren Jahrzehnten eingeschlafene Weinbautradition in Niederdollendorf wiederbelebt. Bemerkenswert ist, dass am Heisterberg das Projekt eines "historischen Weinbergs" verwirklicht wurde, indem historische Rebsorten und Erziehungsformen den modernen Sorten und Anbaumethoden gegenübergestellt werden. Die kenntnisreiche Führung durch diesen Weinberg durch den Winzer Otmar Schmitz-Schlang ist sehr empfehlenswert - experimentelle Archäologie im Weinberg!



Niederdollendorfer Heisterberg *-**
 
Die Lage wurde im Jahre 1329 erstmals als "Paffinroyt" (Pfaffenrodung) erwähnt. Den Weinbau begannen hier die Mönche des Zisterzienser-Klosters Heisterbach und die Bezeichnung "Pfaffenröttchen" hielt sich jahrhundertelang für Haus, Hof und Weinberge. Mit dem Weingesetz von 1976 erfogte die Umbenennung in Heisterberg. Nach der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Weingut eine Staatsdomäne, 1860 kaufte der Fabrikant Caron das Pfaffenröttchen und benannte es in Haus Heisterberg um. In den 1950'er Jahren wurde aus Haus Heisterberg der Jugendhof Rheinland, seit 1967 übernahm der Jugendhof auch die Bewirtschaftung der Weinberge. In den 80'er Jahren kam die Bewirtschaftung des Weinberges zum Erliegen, 2002 erfolgte erfreulicherweise die Neuanlage. Heute baut Dr. Otmar Schmitz-Schlang hier auf 0,6 ha die Rebsorten Riesling, Spätburgunder, Frühburgunder, Weißer Elbling und Früher Malinger an. Insbesondere der Frühe Malinger ist eine absolute Rarität. Die frühreifende Rebsorte war im frühen 20. Jahrhundert vor allem bei Kleinstwinzern im Siebengebirge weit verbreitet. Der Frühe Malinger wurde im Jahre 1840 von einem französischen Gärtner namens Malingre aus Kernen unbekannter Herkunft gezogen. Synonyme für den weißen Malinger sind Malingre Prococe, Madeleine Blanche de Malingre, Malenga und Early Malingre. Die Rebsorte findet heute vorwiegend als Tafeltraube Verwendung.
Winzer Schmitz-Schlang experimentiert nicht nur mit alten Rebsorten, sondern auch mit historischen Erziehungsformen. Im oberen Teil des Weinberges werden Spätburgunder und Riesling in moderner Drahtrahmenerziehung erzogen. Im unteren Teil des Weinberges wachsen Frühburgunder, Früher Malinger und Elbling, wobei die Erziehung am Einzelpfahl oder im "Rheinischen Wechselschnitt" erfolgt. Die Einzelpfahl-Erziehung wird hier wie in der Vergangenheit an sogenannten Ramholzpfählen, Pfählen aus den umliegenden Buchenwäldern, durchgeführt. Die Buchenpfähle verwittern allerdings sehr schnell und müssen mindestens alle zwei Jahre ersetzt werden. Beim Rheinischen Wechselschnitt (siehe Bild) werden zwei Reben an einem Pfahl erzogen, wobei der zweite Pfahl zunächst leer bleibt. Sobald die Fruchtruten lang genug sind, werden sie zum leeren, zweiten Pfahl gezogen. Im Folgejahr läßt man eine Rebe wieder zum Ausgangspfahl zurückwachsen, während man die andere ruhen läßt. Diese Erziehungsform läßt sich als extensiv bezeichnen und besitzt Analogien zur historischen Dreifelderwirtschaft.
Die kleine Lage Heisterberg läßt sich als natürliche Terroir-Einheit auffassen. Der Blick auf die geologische Karte zeigt, dass hier devonische Schiefer der oberen und mittleren Siegen-Schichten dominieren. Diese Schichten dominieren den Mittelrhein nördlich von Leutesdorf und prägen auch die Geologie des Ahrtals. Der Boden des Heisterberges ist sehr lehmig, in den oberen 80cm hat sich eine Braunerde herausgebildet. Der Weinberg liegt auf 110-130m über NN, ist ca. 2 km vom Rhein entfernt, nach Süden ausgerichtet und besitzt eine Steigung von ca. 30-45%. Der Weinberg besitzt ein mittleres bis hohes Qualitätspotential (*-**).




Niederdollendorfer Winzer

Der Niederdollendorfer Heisterberg wird von Dr. Schmitz-Schlang bewirtschaftet.
 


 

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